Verschwörung der Narren (kartoniertes Buch)

Der Enron-Skandal: Eine wahre Geschichte
ISBN/EAN: 9783442154555
Sprache: Deutsch
Umfang: 928 S.
Format (T/L/B): 4.8 x 18.3 x 12.5 cm
Einband: kartoniertes Buch
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Enron - die Geschichte des größten Skandals der Weltwirtschaft. Ein Sachbuch-Thriller, der die Wahrheit über New Economy enthüllt. Enron wurde zum Synonym für die Skrupellosigkeit von Managern, die wohlfeile Blauäugigkeit von Aktionären und die Blindheit von Politik und Justiz. Die Enron-Pleite veränderte Wall Street und Amerika. Jetzt rollt Kurt Eichenwald den Enron-Skandal unnachgiebig, minutiös und atemberaubend spannend auf. Der Energiekonzern Enron, einer der zehn größten Konzerne der USA, war Ende des 20. Jahrhunderts einer der meistgehätschelten Lieblinge der Finanzwelt. Die Enron-Manager waren gern gesehene Gäste der Mächtigen in Wirtschaft und Politik bis hinauf zum Präsidenten. Dieses schöne Bild von grenzenlosem Wachstum und risikolosen Spekulationen zerbarst im Dezember 2001 von einem Augenblick auf den anderen: Enron war insolvent. Millionenschwere Bilanzfälschungen hatten einen der größten und folgenreichsten Unternehmensskandale der US-Wirtschaft ausgelöst. Wall Street hält für einen Augenblick den Atem an. Der Schaden geht in die Milliarden Dollar, Zehntausende verlieren ihren Job, ein Präsident gerät ins Schlingern, die Gerichte werden noch Jahre mit der Abwicklung befasst sein. Doch was sich wirklich bei Enron abgespielt hat, wie Größenwahn, blindes Vertrauen, Selbstgefälligkeit, Unfähigkeit und rücksichtsloses Machtstreben eine solch explosive Melange eingehen konnten, hat das Zeug zu einem veritablen Thriller. Auf der Basis dreijähriger Arbeit rollt Eichenwald den Enron-Skandal auf und erzählt minutiös einen Wirtschaftskrimi ohne Beispiel. Der Leser blickt hinter jede verschlossene Tür, lernt die Hauptdarsteller um den aus einfachen Verhältnis aufgestiegenen Boss Ken Lay und deren Hintermänner kennen, sitzt bei Konferenzen am Tisch und ist Zeuge geheimer Absprachen. Fasziniert und entsetzt verfolgt er das Roulette um Geld und Macht mit immer höheren Einsätzen - und immer dramatischeren Verlusten. Eichenwald beherrscht die Mischung aus Fakten und Fiktion perfekt.
Prolog 24. Oktober 2001 - Houston, Texas Ken Lay stieg auf dem reservierten Parkplatz vor den Huntingdon Condominiums in seinen schwarzen Mercedes 600 SL und fuhr los. An der Ausfahrt des Parkplatzes bog er nach rechts in den Kirby Drive ein, die von Bäumen gesäumte, wichtigste Durchgangsstraße von River Oaks, dem reichsten und vornehmsten Viertel von Houston. Das acht Jahre alte Kabriolett glitt an den Villen links und rechts der Straße vorbei, die vom finanziellen Erfolg der Ölmagnaten und Industriebarone der Stadt zeugten. Viele Gebäude schimmerten zwischen sorgfältig geschnittenen Sträuchern und schmiedeeisernen Toren hindurch, andere standen fern der Straße an dem Hang, der sich hinunter zum Buffalo Bayou erstreckte. Lay versuchte nicht, einen Blick auf die Gebäude zu erhaschen. Als Houstons einflussreichster Unternehmer war er in fast allen interessanten Häusern von River Oaks schon zu Gast gewesen. Die luxuriöse Wohngegend setzte sich am Allen Parkway fort, einer gewundenen Straße, die River Oaks direkt mit der Innenstadt verband. Vor Lay ging gerade die Morgensonne auf, ein flammender orangeroter Ball hinter einem Hochhaus aus Aluminium und Glas, das den architektonischen Rhythmus der Houstoner Skyline bestimmte. Es war die Zentrale von Enron, Lays Enron, das sich im Lauf von ein paar Jahren von einem unbekannten Pipeline-Unternehmen zu einem Energieriesen mit exzellenten politischen Verbindungen entwickelt hatte. Heute war Enron der pulsierende Mittelpunkt im Leben der Stadt und an allen Aktivitäten von der Kommunalpolitik bis zum Sport beteiligt. Trotzdem würde der wuchernde Gigant für die alten Houstoner wohl immer einfach nur Ken Lays Firma bleiben. Lay klappte die Sonnenblende herunter und warf einen Blick auf die Uhr im Armaturenbrett des Mercedes. Kurz vor sieben - er war früh dran. Doch er wusste jetzt schon, dass es kein normaler Tag werden würde. Seine Firma stand unter Beschuss, das war klar. Aktienhändler, die darauf gesetzt hatten, dass der Kurs von Enron fallen würde, verbreiteten Gerüchte, nein, Lügen, über sein Unternehmen. Das Wall Street Journal brachte ein Trommelfeuer von feindseligen Artikeln, die behaupteten, dass Enron seine Finanzen manipuliert habe. Es machte ihn rasend vor Wut. Die begreifen einfach nichts. Eigentlich hätte er mit diesem Chaos überhaupt nichts mehr zu tun haben dürfen. Er war schon im Februar als Chief Executive Officer zurückgetreten und hatte seinem mit größter Sorgfalt ausgewählten Nachfolger Jeffrey Skilling die Zügel übergeben. Skilling war der Kopf, der hinter dem spektakulären Wachstum von Enron gesteckt hatte. Mit der Marktmacht von Enron war auch sein weltweiter Einfluss gewachsen, und Lay war zum Vertrauten von Präsidenten, zum Medienstar und, wenigstens in Houston, zu einer ungemein bekannten Persönlichkeit aufgestiegen. Bei seinem Rücktritt war er als ein Mann gefeiert worden, der seine Visionen verwirklichte. Zum Jahresende hätte er eine lukraktive Position bei der Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Company (KKR) übernehmen sollen als strahlender Sieger, der ein gewaltiges Industrieimperium hinterlassen hatte. Dann plötzlich war Skilling fast ohne Vorwarnung zurückgetreten. Einfach so, nur ein paar Monate nachdem er den Job übernommen hatte. Lay hegte seit Wochen den Verdacht, dass mit seinem Nachfolger etwas nicht stimmte. Einigen Board-Mitgliedern hatte er sogar im Vertrauen gesagt, dass Skilling von seinen neuen Aufgaben überfordert scheine. Trotzdem hatte er sich nicht vorstellen können, dass der Mann einfach gehen würde. Als die Bombe platzte, hatte er praktisch keine Wahl gehabt. Er hatte der Führung von KKR mitgeteilt, dass er ihr Angebot ablehnen müsse, und seinen alten Posten wieder übernommen. Aber alles hatte sich verändert. Innerhalb des Konzerns hatte Skillings Rücktritt Wut ausgelöst und eine Flut von Änderungswünschen nach sich gezogen; außerhalb hatte er den Verdacht genährt, dass es in dem Unternehmen ein pa Leseprobe